#FEMSmicroBlog: Der 17. September ist der Internationale Tag der Mikroorganismen. Aber warum gerade der 17. September?

03-09-2020

Der Internationale Tag der Mikroorganismen 2020 findet am 17. September statt. Hinter dem Datum steckt eine interessante Geschichte. Entdecke in diesem neuen #FEMSmicroBlog Eintrag, was der 17. September mit „kleinen Tierchen“ im Kanalwasser von Delft (Niederlande), Zahnbelag, Korrespondenz mit der Royal Society of London, mikrobieller Kunst und Vielem mehr zu tun hat! #MicrobiologyIsEverywhere

*To the original English version: #FEMSmicroBlog: 17 September is International Microorganism Day. But why 17 September?*

Mikrobiologie, Mikroskopie, Zoologie und die Lehre von allem, was kleiner ist als mit dem bloßen Auge erkannt werden kann, sehen allesamt den niederländischen Händler Antonie van Leeuwenhoek (1632-1723) als ihren Gründungsvater an. Er hatte zwar keine wissenschaftliche Ausbildung und kaum Training, aber seine Neugier war unstillbar. Er nutzte selbstgemachte Linsen und Mikroskope, entworfen nach seinem eigenen Design, um Alltagsgegenstände im Detail zu untersuchen, darunter Bienen, Pfefferkörner, Läuse und Pilze. Als er im Jahre 1677 Kanalwasser unter seinem Mikroskop untersuchte, war er überrascht, dass er winzige Tierchen oder Animalicules entdeckte (wörtlich „kleine Tierchen“, nun als Protisten definiert), die ersten Mikroorganismen, die jemals beobachtet wurden.

Obwohl er nicht der Erste war, der ein Mikroskop benutzte, waren seine Linsen im Vergleich zu vorherigen Mikroskopen besser und so konnte er Objekte etwa um den Faktor 300 vergrößern, was es ihm ermöglichte, Details von ungefähr 1.35 μm zu beobachten (5-6 Mal stärker als das Mikroskop, das sein Zeitgenosse Robert Hooke nutzte).

Ein modernes Replikat eines van Leeuwenhoek-Mikroskops, die winzige Linse ist der Kreis links.

Im Jahre 1683 wurde schließlich auch sein eigener Zahnbelag Ziel von van Leeuwenhoeks mikroskopischen Untersuchungen. Hierbei machte er seine nächste große Entdeckung. Er beschrieb verschiedene Bewegungen dieser Animalicules im Belag zwischen seinen Zähnen und wurde damit die erste Person, die Bakterien beobachtet hat. Als gewissenhaftiger Wissenschaftler machte er detaillierte Beschreibungen, Messungen und Zeichnungen seiner Beobachtungen. Viele von ihnen überleben bis heute und sind wahnsinnig detalliert.

[…] ich bin meiner Arbeit nicht nachgegangen, um die Annerkennng zu erlangen, die ich nun genieße, sondern vornehmlich getrieben von dem Verlangen nach Wissen […]. Und immer wenn ich etwas Besonderes gefunden habe, habe ich es als meine Pflicht erachtet, meine Entdeckung auf Papier festzuhalten, damit andere geistreiche Menschen darüber informiert werden könnten.”

— Antonie van Leeuwenhoek (1632-1723)

Van Leeuwenhoek schickte einen Brief voller Beobachtungen zur Royal Society in London, in dem er beschreibt, was er als erste Person überhaupt gesehen hat. Geleitet von Neugier hoffte er, dass ähnlich wissbegierige Menschen seine Beobachtungen interessant finden würden. Solche Entdeckungen dürften ihm wahrscheinlich auch einen Platz in der Geschichte als einer der Pioniere der mikroskopischen Welt verleihen. Dieser monumentale Brief wurde am 17. September geschrieben. Ein Datum, das gewiss erinnerungswürdig ist.

Eine von van Leeuwenhoeks Zeichnungen, die auch bakterielle Bewegungen zeigt (C-D). ©Royal Society

Der Brief, in dem er die Entdeckungen verkündete, verursachte weitreichende Zweifel innerhalb der Royal Society und viele der Mitglieder weigerten sich, die Existenz von van Leeuwenhoeks mikroskopischen Kreaturen zu glauben. Allerdings wiederholte Robert Hooke, der Kurator für Experimente der Royal Society, die Experimente mit seinen eigenen Mikroskopen und konnte dadurch van Leeuwenhoeks Beobachtungen verifizieren und seine Entdeckungen bestätigen. Diese Briefe und Experimente wurden alle im Journal Philosophical Transactions der Royal Society veröffentlicht.

Daher wurde der 17. September als der Tag ausgewählt, an dem wir den riesigen Einfluss von Mikroorganismen und deren Vielfalt feiern. Außerdem war die Mikrobiologie von Anfang an ein gemeinschaftliches Feld mit internationaler Zusammenarbeit; Korrespondenz, Reproduzierbarkeit von Experimenten, Peer-Review Gutachten und Veröffentlichungen seit dem Jahre 1683.

Die Föderation der Europäischen Mikrobiologischen Gesellschaften (FEMS), die Europäische Akademie der Mikrobiologie (EAM) und die Portugiesische Gesellschaft für Mikrobiologie arbeiten daran, den 17. September als Internationalen Tag der Mikroorganismen zu etablieren, eine jährliche Feier der Mikrobiologie.

Über die Autoren dieses Blogs

Das FEMS Team, welches bevor und nach der aktuellen SARS-CoV-2/COVID-19 Pandemie seinen Sitz in Delft hat, arbeitet hinter den Kulissen daran die FEMS 2020-2024 Strategie umzusetzen.

Dieser Blogeintrag wurde von Carolin Kobras (@carokobras) vom FEMS Volunteers’ Translation Team ins Deutsche übersetzt.

Über diese Blogreihe

Die Reihe #MicrobiologyIsEverywhere steht dafür, dass Mikrobiologie keine Grenzen kennt, und auch für die Tatsache, dass Mikrobiologen überall sind und sich unser FEMS Netzwerk weit über Europa hinaus erstreckt. Diese Blogreihe akzeptiert Beiträge von exzellenten Blogs, die ins Englische übersetzt wurden. Auch regionale Geschichten mit weltweiter Relevanz sind willkommen.

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